Lesen im Gottesdienst

Schon Jesus tritt in der Bibel als Lektor auf. Im 4. Kapitel des Lukasevangeliums wird erzählt, wie er in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazareth einen Text aus dem Buch des Propheten Jesaja vorträgt (Lk 4,16-21). Als christliches Amt sind Lektoren seit dem 3. Jahrhundert bezeugt. Weil das Vortragen der biblischen Lesungen zur Verkündigung im Gottesdienst gehört, spielt der Lektor oder die Lektorin im liturgischen Geschehen eine wichtige Rolle.

 

Vorbereitung auf den Vortrag der biblischen Lesungen

Im besten Fall bereitet sich eine Lektorin bereits einige Tage vor dem Gottesdienst auf die Lesung vor. Hilfreich ist es dafür, sich die biblischen Texte mehrmals selbst laut vorzulesen und den Text jemand anderen mit eigenen Worten nachzuerzählen. Eine gute Idee ist es auch, sich über die Texte schlau zu machen. Dabei hilft z.B. die Stuttgarter Erklärungsbibel, die Basisbibel oder auch die Plattform www.bibelwissenschaft.de.

Das Lektionar bzw. Perikopenbuch bietet dann viele Hilfestellungen für den Vortrag.
Es unterteilt den Text in größere Abschnitte, in verschiedene Szenen. Erkennbar ist diese Einteilung am sogenannten Alinea – Zeichen: ¶
An diesen Stellen bietet es sich an, eine deutliche Pause beim Lesen zu machen und zum Beispiel in die Gemeinde zu blicken oder das Stand- und Spielbein zu wechseln. Auf diese Weise signalisiert man: Jetzt ist ein Gedanke abgeschlossen. Gleich beginnt etwas Neues. Solche Pausen brauchen die Hörenden, um den Sinn des Gelesenen nachspüren zu können.

Zudem ist der biblische Text im Lektionar in Sprecheinheiten gegliedert, man könnte auch sagen in Gedankengänge oder Sinnzusammenhänge. Eine Sprecheinheit reicht immer von einer nicht-eingerückten (linksbündigen) Zeile bis zur nächsten nicht eingerückten (also wieder linksbündigen) Zeile. Meist ist dies dann grammatikalisch auch ein ganzer Satz, der mit einem Punkt endet.
Am Ende einer solchen Sprecheinheit, also vor der Zeile, die wieder ganz nach links ausgerückt ist, geht man deutlich mit der Stimme herunter. Vorher kann man gut und gerne mit der Stimme in der Schwebe bleiben. Atmen ist zwischendurch natürlich erlaubt.

In der Regel gibt es pro Sprecheinheit ein Wort das die Hauptbetonung trägt. Das kann man sich auch gut markieren, indem man es zum Beispiel unterstreicht (natürlich nur falls man ein eigenes Perikopenbuch zuhause hat).

Ausbildung

Zusammen mit einer Sprechtrainerin kommen wir gern zu Ihnen in die Gemeinde oder Region und bieten ein Seminar zum Vortrag der biblischen Texte im Gottesdienst an. So ein Seminar dauert in der Regel 4 Stunden. Es kann gut an einem Samstag von 9-13 Uhr stattfinden oder aber auf zwei Abendtermine verteilt werden.

Video

In diesem Video teilt die professionelle Sprecherin und Sprecherzieherin Claudia Kutter-Clauß ihre Lieblingstipps, wie man sich gut auf die biblischen Lesungen im Gottesdienst vorbereiten kann.